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Friday, March 13, 2009

Brecht, verfremdet

Gestern war ich im Theater und es gab Brechts Der gute Mensch von Sezchuan auf English. Gespielt haben die Drama and Theatre-Studenten und, was soll ich sagen, es war absolut großartig und visuell toll und außerdem noch komisch. Den Brecht haben die verfremdet, dass es nur so eine Freude war. Da kann sich der Her Peymann, dessen bourgeoise Mutter Courage ich mir neulich in Berlin angeschaut habe, mal ein Beispiel nehmen.

Monday, October 20, 2008

Teaching. I hate students, they are (as all people) mostly stupid and boring.

Das ist Slavoj Žižeks Antwort auf die Frage, welche Tätigkeit er am meisten verabscheue. Dazu habe ich drei Erlebnisse zu berichten.

1. Ein verwirrter junger Mann kommt nach der Vorlesung zu mir und teilt mir mit, dass er die Vorlesung in der Woche davor versäumt habe und bittet um die handouts. Als ich sie ihm gebe, fügt er erklärend dazu: "I forgot about German last week." Ich sage, leicht erstaunt: "You forgot about the literature lecture?" Antwort: "No, I forgot about German. It was a weird week." Muss wirklich seltsam gewesen sein, denn der Gute hat insgesamt auf 6 Stunden vergessen. Zu den Kursen in Geographie ist er aber gegangen.

2. Ein 'mature student' so um die 50 kommt heute um 10:15 zu mir und fragt, wo denn sein Literaturtutorial stattfände. Das tut er jeden Montag seit das Semester begonnen hat, also seit fünf Wochen. Das Tutorial findet jede Woche zur selben Zeit am Montag um 11 im selben Raum statt. Es gibt vier Parallelgruppen, wovon eine ich unterrichte. Der Student ist in der Gruppe von Kollege G. Dieses System habe ich dem Studenten auch schon mehrmals erklärt. Ich sage ihm seine Raumnummer. Zwei Minuten später muss ich aufs Klo und treffe den Studenten ratlos am Gang stehen. Als er mich sieht, zischt er mich an, dass er hier doch nicht seine Zeit verschwenden würde. Ich bitte um eine nähere Erklärung und er sagt erbost, dass in dem genannten Raum nicht Kollege G. sei, sondern eine unbekannte Dame. Mit leicht unterkühltem Lächeln muss ich ihm mitteilen, dass das nicht verwunderlich sei, schließlich beginne der Kurs erst in rund 40 Minuten (wie seit fünf Wochen)

3. Am Nachmittag zwingt mich mein Chef, einen Bericht zu lesen, in dem es darum geht, wie Erstsemester ihr erstes Jahr an der Uni hier erleben. Das größte Problem? Sie finden keine Freunde, da die Klassen zu groß sind. Das zweitgrößte Problem? Sie wissen nicht, was sie tun sollen, wenn zwischen zwei Kursen mehr als eine Stunde Zeit liegt. Sie wünschen sich in beiden Fällen mehr Hilfe von den Lehrenden.

Wednesday, October 8, 2008

Altern tut manchmal weh

Ich kann ja bekanntlich auch eitel sein, aber auch andere Menschen leiden unter dem Älterwerden. Ein Kollege hier, der die 50 hinter sich gelassen hat, dieser Tatsache aber nur ungern ins Auge blickt, erzählte neulich beim Kaffeetrinken, dass er nun Tai Chi machen würde, denn er hätte so viel überschüssige Agression und Energie. Wir blickten etwas verwirrt und dann sagte eine Kollegin von mi: "Ist das das, wo man sich so langsam bewegt?" Darauf er empört: "Nein! Manchmal bewegen wir uns sehr schnell!"
Ja, ist klar. Tai Chi, die neue Extremsportart ...

Sunday, September 7, 2008

Kerstin und das Alter

Gestern in der Früh machte ich eine falsche Bewegung und mein Genick tat mir plötzlich schrecklich weh. Dank der Fitness-Gehirnwäsche deren Opfer ich ja bekanntlich geworden bin, dachte ich, "Ach, so ein bißchen Bewegung ist sicher gut für meinen Hals" und ging frohgemut turnen.

Mit dem Resultat, dass ich heute nacht um drei aufwachte und meinen Kopf nicht mehr bewegen konnte. Ich leide ein bißchen unter Hypochondrie und besonders mutterseelenallein um drei Uhr morgens bin ich gerne überzeugt davon, dass ich an schrecklichen unheilbaren Krankheiten leide. Ich war also sicher, dass ich eine Vorstufe zu einer absoluten Ganzkörperlähmung hatte. Damit ich wenigstens schlafen konnte, warf ich eine Schmerztablette ein, tat mir schrecklich leid und schlief wieder ein.

Beim Aufwachen tat es noch immer weh und ich fühlte mich, als ob ich mindestens 120 Jahre als wäre. Ich wickelte mir einen Schal um den Hals, denn das fand ich passend. Nachmittags musste ich mich mit unserer neuen Sprachassistentin treffen, deren "Mentorin" ich angeblich bin. Diese Bezeichnung macht mich auch nicht jünger, finde ich. Außerdem ist mir aufgefallen, wie viele Produkte ich neuerdings brauche, um halbwegs öffentlichtauglich auszusehen. Was ich ja musste, denn ich musste ja die Assistentin treffen... Kurz: Ich bin heute schlecht gelaunt und ich mag das Alter nicht.

Friday, August 15, 2008

Ein etwas oberflächlicher Eintrag

Heute habe ich also gelernt, wie ich mich in Zukunft ganz strategisch straffen werde. Toning, nennt man das. Das war alles sehr interessant, obwohl ich mich anfangs ein bisschen fürchtete, weil ich wieder auf seltsame Maschinen, die ein bisschen wie der Untersuchungsstuhl beim Gynäkologen aussahen, musste, und die auch gefährlich nahe bei den grunzenden Bodybuildern standen. Aber Brian hat mich jedes Mal sehr gelobt und besonders schön fand er meine Ausfallschritte.

Bei dieser ganzen ernsthaften Beschäftigung mit der eigenen Körperlichkeit kam ich nicht umhin auch ein bisschen in mich zu gehen, denn wir wissen, das Verhältnis zwischen selbst und Körper ist ein schwieriges. Nun hatte ich bisher das Glück, mich nicht sonderlich über das aufregen zu müssen, was man gemeinhin Problemzonen nennt. Was aber natürlich nicht heißt, dass ich wie ein weiblicher Narziss durchs Leben schwebe, denn heute wurde mir klar, welcher Körperteil mich am meisten beschäftigt und bei dessen Wahrnehmung ich mit schöner Regelmäßigkeit doch gewisse Wahrnehmungsstörungen an den Tag lege: meine Wimpern.

Ich weiß nicht, wann das angefangen hat, aber ich bin beispielsweise mehr oder weniger unfähig, das Haus ohne Wimperntusche zu verlassen. Unter keinen Umständen würde ich sonntags die Zeitung beim Kiosk um die Ecke ohne Mascara kaufen gehen und Mistkübel-Runtertragen ist ein Grenzfall. In der Endphase meiner Diss, was ja bekanntlich ein psychischer Ausnahmezustand ist, habe einmal wirklich auf die Wimperntusche vergessen. Als ich das dann bei einem Toilettenbesuch feststellte, schrie ich laut auf und rannte zitternd zum Schlecker hinter dem KG IV, um möglichst schnell an den schwarzen, Länge und Dichte versprechenden Stoff zu kommen.

Meine Wimperntusche muss auf jeden Fall tiefschwarz sein und sollte grundsätzlich in der Lage sein, meinen Augen eine gewisse disneyhafte Ausstrahlung zu geben. Kurz gesagt: Ich will Bambi sein! Wenigstens was meine Augen betrifft. Und das ist auch das Problem, denn kein Mascara ist auf Dauer gut genug. Und langsam erkenne ich ein selbstzerstörerisches Beziehungsmuster: Ich lasse mich von Werbungen betören, ignoriere den diskreten Hinweis am unteren Seitenrand, dass beim Shooting falsche Wimpern verwendet wurden, kaufe die Tusche, bin einige Zeit ekstatisch, nur um mich dann enttäuscht abzuwenden. Ich gewöhne mich nämlich an den Effekt und was eben noch der heilige Mascara-Gral war ist öde und langweilig und wir haben uns auseinandergelebt. Und ich muss mich wieder auf die Suche machen nach der einzigen und perfekten Wimperntusche.

Außerdem bin ich von den Wimpern anderer Leute besessen, wobei ich jede Vernunft ausschalte. Neulich sah ich Private Practice, was ein spin off von Grey's Anatomy ist. Ich will hier gar nicht auf die Vorzüge diverser Krankenhausserien eingehen, denn das einzige, an was ich mich erinnern kann, sind die Wimpern der Hauptdarstellerin. So lang, so dicht, so perfekt! Die hätte man im Notfall als Kuscheltiere verwenden können! Die Fiktionalität des Mediums völlig vergessend wimmerte ich: "Das geht doch nicht! Das sind doch falsche Wimpern! Mit denen kann man doch nicht operieren, was ist wenn die in den Patienten fallen?" Und natürlich wollte ich auch solche Wimpern, denn wenn ich sie hätte, wäre mein Leben perfekt und Schmetterlinge und kleine kuschelige Häschen würden meinen Weg säumen.

Als ich mich wieder etwas gefangen hatte, wurde mir klar, was hier gespielt wird. Betrachtet man es nämlich näher, fällt auf, dass man in Film- und Printmedien kaum mehr echte Wimpern sieht, nur falsche und/oder retouchierte. Und labile Menschen wie ich sind das Opfer, denn sie vergleichen die eigenen Wimpern mit dem unerreichbaren Ideal und machen sich wieder einmal verzweifelt auf die Suche …

Thursday, August 14, 2008

Kerstin wird Mitglied im Fitnesscentre und schämt sich ein bißchen dafür


In meinem Büro hängt dieses Poster. Der Herr ist Michel Foucault und die Inschrift lautet "Denken macht schön", was ja auch stimmt.

Herr Foucault hat neben anderen schönen Dingen auch das Konzept der Bio-Macht erfunden. Da geht es einerseits darum, wie eine, z.B. staatliche, Macht, die körperlichen Umstände ihrer Untertanen kontrolliert und andererseits, wie sich Subjekte durch körperliche Praktiken selbst konstitutionieren. Foucault interessiert sich in diesem Zusammenhang natürlich am meisten für Sexualität, aber ich finde, dass man auch Sport, besonders im Sinne von privaten Fitnessmaßnahmen, unter diesem Gesichtspunkt sehen kann. Offensichtlichere (und wörtlichere) Selbstdefinition geht ja kaum und gleichzeitig bleibt man eine gesunde Arbeitskraft und kommt, weil man sich auf den nächsten Marathon vorbereitet, nicht auf revolutionäre Ideen.

Da ich ja brav meine französischen Theoretiker gelesen habe, gern anderer Meinung als alle anderen und durch den schulischen Turnunterricht traumatisiert bin, blickte ich also die längste Zeit hochmütig auf sporttreibende Menschen herab, waren sie doch arme Opfer einer Macht, die irgendwie kapitalistisch, amerikanisch, hohl und wahrscheinlich auch heteronormativ ist. Aber jetzt bin ich eine von ihnen und Mitglied im Fitnesscentre.

Gestern hatte ich "assessment", d.h. ich wurde vermessen und ein netter junger Mann namens Brian schrieb alles auf und rechnete herum und sagte mir dann, was ich tun sollte. Es erfüllte mich ja mit nicht allzu heimlicher Freude, dass mein BMI und mein Körperfettprozentwert trotz jahrelanger Sportverweigerung im unteren Idealbereich liegen, wollte den Brian aber nicht kränken und wieder gehen (außerdem hatte ich ja schon viel Geld bezahlt). So haben wir uns dann darauf geeinigt, dass ich versuchen werde, 2 bis 3 Mal in der Woche eine Stunde Sport zu treiben. Brian meinte hoffnungsfroh, dass man ja nach 6 Wochen noch mal drüber reden und die Stunde auf 90 Minuten ausdehnen könne. Dazu schwieg ich. Dann hat er mir die lustigen Maschinen erklärt, auf und mit denen man sich möglich synchron bewegen soll. Ich war sehr erleichtert, dass ich mir beim Ausprobieren nicht weh tat und auf der Rudermaschine (die ich ja persönlich langweilig fand) wurde ich sogar gelobt. Nur mit dem Stepper konnte ich nicht. Morgen habe ich noch einen zweiten Termin, da erklärt mir Brian Toning.

Dann ging ich noch ins Hallenbad und in die Sauna und war sehr stolz auf mich. Heute gehe ich wieder hin, denn schließlich möchte ich noch schöner werden und denken kann ich ja Gott sei Dank noch immer.

Friday, August 8, 2008

Warum nur...

behauptet amazon meine Adresse (und damit die Uni Cork) existiere nicht? Mein sehnlichst erwartetes Paket wurde retourniert. Ich fühle mich ungeliebt und zurückgewiesen.

Saturday, August 2, 2008

Demokratie und Provinz

Als Nation möchte man ja gerne so sein wie Italien. Die deutschen Nachbarn, zum Beispiel, hüllen sich in Decken und setzen sich auch bei Minusgraden ins Freie, um auch ja allen zu zeigen, dass auch sie ganz spontan "una bella figura" machen können, scheitern aber natürlich kläglich am Kaffee. Mit dem hat Österreich keine Probleme, aber auch wir haben uns das südliche Nachbarland als Vorbild gewählt und wollen auch möglichst viele Regierungen in möglichst kurzer Zeit haben. Im Herbst wählen wir also wieder einmal verfrüht einen neuen Nationalrat.

Da ich eine pflichtbewusste Staatsbürgerin bin, aber in der Diaspore wohne, brauche ich eine Wahlkarte. Die, sagten die österreichischen Medien, sind jetzt erneuert, ursuper und in allen Gemeindeämtern ab jetzt erhältlich. Nichts wie hin, dachte ich mir, und ging auf's Amt… Meine erste Bitte nach einer Wahlkarte wurde mit einem "Jetzt schon?!" quittiert, dann sagte die nette Dame, die Kollegin, die sich damit auskenne, sei in einer Besprechung und ich solle in einer halben Stunde wiederkommen. Ich trollte mich, ging ein Eis essen und hörte ein paar alten Nazis am Nebentisch zu. Dann ging ich wieder ins Gemeindeamt. Die wissende Kollegin war jetzt da, aber auch sehr erstaunt über meinen Wunsch. Und überhaupt, die Wahlkarten seien noch auf der Bezirkshauptmannschaft und die würde sie frühestens Ende August, also eher Mitte September, herausrücken. Wahl ist ja erst Ende September. Höflich wies ich auf meine kosmopolite Existenz und meine glühende demokratische Grundhaltung hin. Ja, meinte die Dame, vielleicht könnten meine Eltern die Wahlkarte abholen. Super, sagte ich, wenn das geht, muss ich da was unterschreiben, damit sie das auch dürfen? Nein, war die Antwort, man kenne sich ja hier. Das ist freilich wahr. Es stimmt auch, dass ich vor 16 Jahren auf besagtem Gemeindeamt ein Praktikum gemacht habe und mein Vater jahrzehntelang in der Kommunalpolitik tätig war. Trotzdem fühle ich mich doch etwas seltsam bei dem Gedanken, dass sich theoretisch jemand meinen Stimmzettel krallen und fröhlich für mich wählen könnte. Ganz abgesehen davon, dass meine Eltern durchaus zum politischen Aktionismus neigen…

Thursday, July 24, 2008

Kunst und meine Generation


Obwohl ich auf Urlaub bin, will doch wieder etwas Erbauliches berichten. Gestern war ich in Kärnten. Kärnten, für sich allein betrachtet, ist ein recht absonderliches Stückchen Österreich, was vor allem an den Wahlentscheidungen seiner Bevölkerung liegt. Darüber will ich aber nicht schreiben, weil ich sonst vor lauter Gift und Galle spucken leicht inkoheränt werde.

Neben gruseligen Politikern hat Kärnten aber auch Leute wie Robert Musil, Ingeborg Bachmann und Christine Lavant hervorgebracht und auch erstaunlich viele Vertreter der österreichischen modernen Kunst sind aus Kärnten, wie z.B. Werner Berg, Arnulf Reiner oder Kiki Kogelnik.

Deshalb macht es auch durchaus Sinn, dass es in der Landeshauptstadt Klagenfurt ein Museum für Moderne Kunst gibt. Und weil ich nicht nur schön und klug, sondern auch kultiviert bin, bin ich da hin. Es ist durchaus zu empfehlen, sollte es mal einen an den Wörthersee verschlagen. Aber am besten hat mir ein Bild einer Künstlerin gefallen (denen Namen habe ich leider vergessen), welches aus einem zerriebenen orangen Hupfball (so hieß das in Österreich, vielleicht heißt es Hüpfball bei den geschätzten Nachbarn...) hergestellt war und auch einen solchen darstellte. Und dann gab es eine Installation einer Herde kleiner weisser Hupfbälle und noch ein Hupfball-Bild. Es hat mich nicht verwundert, dass die Dame 1978 geboren wurde (meine Generation also), denn auch für mich war der orange Hupfball ein wichtiger Teil meiner Kindheit, auch wenn ich nicht unbedingt das Bedürfnis habe, ihn zu malen.

Wednesday, July 9, 2008

In which the author passes as the other

Ich rede und schreibe ja gerne über die Diskursivität des Lebens im allgemeinen und des menschlichen Körpers im besonderen. Postmodern verdorben wie ich bin, ist mir ja nicht nur nichts heilig, sondern auch nichts natürlich. Die ganze Idee ist aber freilich nicht von mir, sondern von der sehr verehrten Frau Butler, die wie die geneigte Leserin sicher weiss, sowohl Geschlecht (sex) als auch Geschlechtsidentität (gender) als Performanz interpretiert. Diese Performanz darf aber nicht irgendwie sein, wie es uns gerade gefällt, sondern soll lesbar (intelligible) sein, damit die schöne Heteronormativität nicht gestört wird und sich auch jeder auskennt.

Für das tägliche Leben heisst das, dass wir immer und überall Körper lesen und auch gelesen werden. Die meiste Zeit fällt uns das gar nicht auf, aber das haben normalisierende Diskurse hinterhältigerweise so an sich.

Neulich erlebte ich aber am eigenen Leib eine ganz wunderbar originelle Lesart, die mir nun auf alle Ewigkeiten als Beweis für die kulturelle Konstruktion von Körper dienen wird.

Und das ist die Geschichte dazu: Vor kurzem hatten wir hier am Department einen Gastvortragenden aus Indien hier. Das war ein älterer Herr, der auch durchaus indisch aussah. Nachdem meine Kollegin (groß, blond und mit irischen Akzent) und ich (wie ich halt so aussehe und spreche) ihn vom Bahnhof abgeholt hatten, brachten wir ihn zu seinem B&B. Dort gab es ein bißchen Verwirrung wegen der Reservierung, aber eigentlich war alles in Ordnung. Der Herr aus Indien bezog sein Einzelzimmer und wollte seinen Vortrag durchgehen und meine Kollegin und ich gingen zurück ans Department. Kaum dort angekommen, klopfte es an meine Bürotür und unsere Sekretärin kam kichernd herein. Sie hatte gerade mit dem B&B-Wirt telefoniert, der wollte nämlich fragen, warum wir für den indischen Herrn und seine Gattin nur ein Einzelzimmer bestellt hätten. Als unsere Sekretärin die Präsenz einer Gattin vehement bestritt, bestand der gute Landlord darauf, dass eine der beiden Damen, die mit dem indischen Herrn bei ihm waren, die Gattin sei und ging dazu über diese zu beschreiben: "Dark hair, glasses and of Asian descent." Das war dann wohl ich.

Nett, nicht? Man kann meinen Körper also als den einer indischen Professorengattin lesen. Ein wenig Sorgen bereitet mir, dass man mir einen 1.60 großen Ehemann im Rentenalter zutraut. Andererseits überlege ich aber auch, ob ich mich nicht in Bollywood bewerben sollte.