Die Anglistikchefin hier hat mir gerade angesichts meines entzückenden Kleidchens am Damenklo gesagt, dass ich ja immer so elegant sei. Ein Kollege aus dem French Department erzählt seinen Freunden gerne, dass er (unter anderem) meine Schuhe gut findet. Man sieht also, ich bin auf dem besten Weg, die universitäre Stilikone zu werden. Zugegebenermaßen ist das hierzulande nicht schwierig, denn die Irinnen sind zum größten Teil eine etwas missglückte Mischung aus britischen und amerikanischen Stilsünden kombiniert mit viel rosa. Trotzdem freut es einen natürlich, wenn das eigene Äußere Fans hat und damit dass anderen Leuten auch so geht, habe ich mich entschlossen, hier jetzt Stylingtipps zu geben. Den Drang dazu verspüre ich oft, aber unaufgefordert Leuten Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten, ist dann doch ein bißchen riskant, vor allem wenn sie größer sind als man selber…
Darum nehme ich die hier schon angesprochene Frau Palin auch nur zum Anlass für ein paar allgemeine Bemerkungen und nicht als konkrete Fallstudie. Auch ist es mir egal, ob sie oder Portsmouth oder MacCain selber schwanger ist. Bevor nämlich die Schwangerschaftsgeschichten anfingen, stand dieser Kommentar in der New York Times, in dem es unter anderem um Frau Palins Aussehen geht. Auf die Frage, ob ihr adrettes Äußeres denn auch manchmal ein Nachteil sei, antwortet sie wie folgt: “A reporter once asked me about it during the campaign, and I assured him I was trying to be as frumpy as I could by wearing my hair on top of my head and these schoolmarm glasses.” Ha, rief ich aus als ich das las, denn wirklich das erste was mir an Frau Palin auffiel, war ihren Brillen. Und die sind keine “schoolmarm glasses” sondern die randlosen Brille einer Frau, die nicht zu ihrer Brille steht.
Ich bin kein Fan dieser randlosen Dinger. Meiner Meinung sind sie vergleichbar mit Bhs mit durchsichtigen Plastikträgern. Diese Träger sind natürlich nicht unsichtbar, sondern sehen einfach blöd aus. Je nach Outfit (und Oberweite) muss man sich nämlich entscheiden: Entweder kein Bh oder ein trägerloser oder die etwas riskante Variante mit sichtbaren Bh-Trägern. Genau das selbe Phänomen kann man bei den randlosen Brillen beobachten: Sie sind ein Ergebnis des Wunsches, dass die ungeliebte Sehhilfe unsichtbar wäre, dass das Gesicht möglichst unverstellt zur Geltung komme. Aber dazu gibt es Kontaktlinsen! Die randlose Brille, die wirklich nur wenigen steht, ist ein ungutes Mittelding. Entweder man steht zu seiner Brille oder man trägt Kontaktlinsen.
Entscheidet man sich für die Brille, hat das natürlich auf Konsequenzen für den Rest des Stylings. Frau Palin ist hier wieder ein gutes Beispiel: Locker aufgestecktes Haar ist absolut kein Brillen-Styling. Brille braucht etwas eleganteres oder originelleres, etwas, was im anglophonen Bereich im weitesten Sinne als “edgy” bezeichnet wird. Frau Palin ist das nicht. Lange Haar bei Frauen über 35 sind ein Kapitel für sich, aber ihr steht es durchaus, nur passt eben die Brille nicht zu “mädchenhaft” und “conventionally pretty”. Diese Adjektiva meine ich zur Abwechslung im Moment gar nicht negativ, sondern benutze sie nur zur Beschreibung eines Stiles, den man dann aber auch durchziehen sollte und die randlose Brille wirkt in diesem Kontext halt wie ein halbherziger Kompromiss.
Dorothy Parker schrieb einst das schöne und kurze Gedicht “Boys seldom make passes at girls who wear glasses” und häßliche Entlein in Funk und Fernsehen tragen auch immer Brillen. Das traumatisiert natürlich und randlose Brillen sind das Resultat. Deshalb kann ich nur wiederholen: Zur Brille und ihren Rändern stehen oder Kontaktlinsen tragen!
Dass keiner einen anbaggert, wenn man Brillen trägt, ist übrigens auch nicht wahr. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es einfach andere Männer sind. Meine heißgeliebte und leider verloren gegangene und nicht mehr hergestellte schwarz-pinke Brille erweckte durchwegs positives männliches Echo. Hier kann ich auch gleich einen guten Tipp an die männliche Leserschaft hinzufügen: Komplimente zur gutausgesuchten Brille kommen gut an! Wie alle Komplimente, die nur ein bißchen originell sind. Da steht man nämlich gleich als wohltuend andersartiger Mann da. Den gleichen Eindruck kann man schinden, wenn eine Antwort auf die Frage welchen Frauentyp man gut findet gefordert wird. Nicht gleich losplappern, sondern überlegen, welche Frauen Frauen gefallen und vielleicht auch noch, wer denn das aussehenstechnische Vorbild der fragenden Dame sein könnte, und dann dementsprechend antworten. Das ist simpel, aber kann funktionieren. Ich selbst stürzte mich vor Jahren in eine unglückliche Affäre, nur weil der junge Mann meinte, er fände Juliette Binoche gut. Ein äußerst liebenswerter ehemaliger Kollege von mir wurde andererseits von mir und einer Kollegin fast verprügelt, nur weil er nichts ahnend zugab, Audrey Hepburn nicht schön zu finden. Da sieht man es wieder…
Die Kollegen von der Times scheinen ähnliche Interessen wie ich zu haben. Hier ihre Analyse von Sarah Palins Aussehen.
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Tuesday, September 2, 2008
Monday, August 18, 2008
Der Nachtrag zum allseits beliebten Wimperneintrag
Wäre das die Lösung? Ist das das Geld wert? Und würden mir Studenten keine blöden emails mehr schreiben, wenn ich überirdisch schöne Wimpern hätte?
Friday, August 15, 2008
Ein etwas oberflächlicher Eintrag
Heute habe ich also gelernt, wie ich mich in Zukunft ganz strategisch straffen werde. Toning, nennt man das. Das war alles sehr interessant, obwohl ich mich anfangs ein bisschen fürchtete, weil ich wieder auf seltsame Maschinen, die ein bisschen wie der Untersuchungsstuhl beim Gynäkologen aussahen, musste, und die auch gefährlich nahe bei den grunzenden Bodybuildern standen. Aber Brian hat mich jedes Mal sehr gelobt und besonders schön fand er meine Ausfallschritte.
Bei dieser ganzen ernsthaften Beschäftigung mit der eigenen Körperlichkeit kam ich nicht umhin auch ein bisschen in mich zu gehen, denn wir wissen, das Verhältnis zwischen selbst und Körper ist ein schwieriges. Nun hatte ich bisher das Glück, mich nicht sonderlich über das aufregen zu müssen, was man gemeinhin Problemzonen nennt. Was aber natürlich nicht heißt, dass ich wie ein weiblicher Narziss durchs Leben schwebe, denn heute wurde mir klar, welcher Körperteil mich am meisten beschäftigt und bei dessen Wahrnehmung ich mit schöner Regelmäßigkeit doch gewisse Wahrnehmungsstörungen an den Tag lege: meine Wimpern.
Ich weiß nicht, wann das angefangen hat, aber ich bin beispielsweise mehr oder weniger unfähig, das Haus ohne Wimperntusche zu verlassen. Unter keinen Umständen würde ich sonntags die Zeitung beim Kiosk um die Ecke ohne Mascara kaufen gehen und Mistkübel-Runtertragen ist ein Grenzfall. In der Endphase meiner Diss, was ja bekanntlich ein psychischer Ausnahmezustand ist, habe einmal wirklich auf die Wimperntusche vergessen. Als ich das dann bei einem Toilettenbesuch feststellte, schrie ich laut auf und rannte zitternd zum Schlecker hinter dem KG IV, um möglichst schnell an den schwarzen, Länge und Dichte versprechenden Stoff zu kommen.
Meine Wimperntusche muss auf jeden Fall tiefschwarz sein und sollte grundsätzlich in der Lage sein, meinen Augen eine gewisse disneyhafte Ausstrahlung zu geben. Kurz gesagt: Ich will Bambi sein! Wenigstens was meine Augen betrifft. Und das ist auch das Problem, denn kein Mascara ist auf Dauer gut genug. Und langsam erkenne ich ein selbstzerstörerisches Beziehungsmuster: Ich lasse mich von Werbungen betören, ignoriere den diskreten Hinweis am unteren Seitenrand, dass beim Shooting falsche Wimpern verwendet wurden, kaufe die Tusche, bin einige Zeit ekstatisch, nur um mich dann enttäuscht abzuwenden. Ich gewöhne mich nämlich an den Effekt und was eben noch der heilige Mascara-Gral war ist öde und langweilig und wir haben uns auseinandergelebt. Und ich muss mich wieder auf die Suche machen nach der einzigen und perfekten Wimperntusche.
Außerdem bin ich von den Wimpern anderer Leute besessen, wobei ich jede Vernunft ausschalte. Neulich sah ich Private Practice, was ein spin off von Grey's Anatomy ist. Ich will hier gar nicht auf die Vorzüge diverser Krankenhausserien eingehen, denn das einzige, an was ich mich erinnern kann, sind die Wimpern der Hauptdarstellerin. So lang, so dicht, so perfekt! Die hätte man im Notfall als Kuscheltiere verwenden können! Die Fiktionalität des Mediums völlig vergessend wimmerte ich: "Das geht doch nicht! Das sind doch falsche Wimpern! Mit denen kann man doch nicht operieren, was ist wenn die in den Patienten fallen?" Und natürlich wollte ich auch solche Wimpern, denn wenn ich sie hätte, wäre mein Leben perfekt und Schmetterlinge und kleine kuschelige Häschen würden meinen Weg säumen.
Als ich mich wieder etwas gefangen hatte, wurde mir klar, was hier gespielt wird. Betrachtet man es nämlich näher, fällt auf, dass man in Film- und Printmedien kaum mehr echte Wimpern sieht, nur falsche und/oder retouchierte. Und labile Menschen wie ich sind das Opfer, denn sie vergleichen die eigenen Wimpern mit dem unerreichbaren Ideal und machen sich wieder einmal verzweifelt auf die Suche …
Bei dieser ganzen ernsthaften Beschäftigung mit der eigenen Körperlichkeit kam ich nicht umhin auch ein bisschen in mich zu gehen, denn wir wissen, das Verhältnis zwischen selbst und Körper ist ein schwieriges. Nun hatte ich bisher das Glück, mich nicht sonderlich über das aufregen zu müssen, was man gemeinhin Problemzonen nennt. Was aber natürlich nicht heißt, dass ich wie ein weiblicher Narziss durchs Leben schwebe, denn heute wurde mir klar, welcher Körperteil mich am meisten beschäftigt und bei dessen Wahrnehmung ich mit schöner Regelmäßigkeit doch gewisse Wahrnehmungsstörungen an den Tag lege: meine Wimpern.
Ich weiß nicht, wann das angefangen hat, aber ich bin beispielsweise mehr oder weniger unfähig, das Haus ohne Wimperntusche zu verlassen. Unter keinen Umständen würde ich sonntags die Zeitung beim Kiosk um die Ecke ohne Mascara kaufen gehen und Mistkübel-Runtertragen ist ein Grenzfall. In der Endphase meiner Diss, was ja bekanntlich ein psychischer Ausnahmezustand ist, habe einmal wirklich auf die Wimperntusche vergessen. Als ich das dann bei einem Toilettenbesuch feststellte, schrie ich laut auf und rannte zitternd zum Schlecker hinter dem KG IV, um möglichst schnell an den schwarzen, Länge und Dichte versprechenden Stoff zu kommen.
Meine Wimperntusche muss auf jeden Fall tiefschwarz sein und sollte grundsätzlich in der Lage sein, meinen Augen eine gewisse disneyhafte Ausstrahlung zu geben. Kurz gesagt: Ich will Bambi sein! Wenigstens was meine Augen betrifft. Und das ist auch das Problem, denn kein Mascara ist auf Dauer gut genug. Und langsam erkenne ich ein selbstzerstörerisches Beziehungsmuster: Ich lasse mich von Werbungen betören, ignoriere den diskreten Hinweis am unteren Seitenrand, dass beim Shooting falsche Wimpern verwendet wurden, kaufe die Tusche, bin einige Zeit ekstatisch, nur um mich dann enttäuscht abzuwenden. Ich gewöhne mich nämlich an den Effekt und was eben noch der heilige Mascara-Gral war ist öde und langweilig und wir haben uns auseinandergelebt. Und ich muss mich wieder auf die Suche machen nach der einzigen und perfekten Wimperntusche.
Außerdem bin ich von den Wimpern anderer Leute besessen, wobei ich jede Vernunft ausschalte. Neulich sah ich Private Practice, was ein spin off von Grey's Anatomy ist. Ich will hier gar nicht auf die Vorzüge diverser Krankenhausserien eingehen, denn das einzige, an was ich mich erinnern kann, sind die Wimpern der Hauptdarstellerin. So lang, so dicht, so perfekt! Die hätte man im Notfall als Kuscheltiere verwenden können! Die Fiktionalität des Mediums völlig vergessend wimmerte ich: "Das geht doch nicht! Das sind doch falsche Wimpern! Mit denen kann man doch nicht operieren, was ist wenn die in den Patienten fallen?" Und natürlich wollte ich auch solche Wimpern, denn wenn ich sie hätte, wäre mein Leben perfekt und Schmetterlinge und kleine kuschelige Häschen würden meinen Weg säumen.
Als ich mich wieder etwas gefangen hatte, wurde mir klar, was hier gespielt wird. Betrachtet man es nämlich näher, fällt auf, dass man in Film- und Printmedien kaum mehr echte Wimpern sieht, nur falsche und/oder retouchierte. Und labile Menschen wie ich sind das Opfer, denn sie vergleichen die eigenen Wimpern mit dem unerreichbaren Ideal und machen sich wieder einmal verzweifelt auf die Suche …
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